15.10.2020

REMOTE GUIDANCE: Ein maritimer Use-Case “MS CRISCHA”

Wenn nicht das Brüllen der schweren See gewesen wäre, hätte man auf der Brücke vielleicht das leise Surren gehört, mit dem die MS CRISCHA am 29. September um 00:43 Uhr in einen komatösen Tiefschlaf fiel. Vor den Augen des Nautischen Ersten Offiziers (NEO) verabschiedete sich das Containerschiff mit einem Feuerwerk aus roten Warnsignalen in den Blackout. Alle kritischen Sensoren und Anzeigen versetzen sich im Bruchteil einer Sekunde in den Tiefschlaf. Das digitale Herz des Schiffes hatte einfach aufgehört zu schlagen.

Es war nicht so, als ob man an Bord nicht versucht hätte, dieses Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Aber es war eben auch nicht so, also ob man ausgerechnet hier, in relativer Küstennähe, unbegrenzt Zeit gehabt hätte, den Fehler zu finden. Denn auf der Ae10, auf der die CRISCHA unterwegs war, herrscht ungefähr der gleiche Verkehr, wie auf der A7 zum Ferienbeginn.  

Die CRISCHA, seine Crew, und Waren, die europäische Kunden überall auf der Welt zusammengekauft hatten, und die nun, in Containern gestapelt, seinen Weg von Yantian nach Bremerhaven finden sollten, trieben in dunkler Nacht antriebslos über die Nordsee. Um 01:15 Uhr erreichte die Nachricht das Fleet Operation Center: Das Automatisierungssystem meldet System Shutdown!

Mit einer Entscheidung für eine Remote Guidance Lösung wie POINTR

Ein modernes Automatisierungs- und Navigationssystem ist ein vollständig integriertes System bestehend aus Hard- wie Software, das nahezu alle Aspekte des Schiffsbetriebs abdeckt, vom Betrieb der Antriebsanlage über die Energieverwaltung der Hilfsmotoren, des Betriebs der Hilfsmaschinen, des Ladungsauf- und -abladens, der Navigation und der Verwaltung der Wartung und des Ersatzteilkaufs. Das auf tausende von Sensoren angewiesene System macht Seefahrt sicherer. Wenn es funktioniert. Wenn es nicht funktioniert, hilft kein ölverschmierter Schiffingenieur mit Schraubenschlüssel in der Hand. Zu kompliziert, zu umfassend und – in den meisten Fällen – zu oft nachgerüstet, verändert, optimiert und adaptiert vom jeweiligen Reeder.

Dem gewohnten Ablauf folgend musste der Superintendent jetzt die entsprechenden Spezialisten per Helikopter an Bord bringen. Unverzüglich. Gleichzeitig arbeiteten die Spezialisten der jeweiligen Lieferanten von Land aus weiter an der Fehlersuche.

In diesem Fall konnte man dabei zusehen, wie der Blutdruck des Operators, der die Verbindung zum Schiffsingenieur hielt, parallel zu den Ausfallkosten stieg. Der knisternde Funk, Sprachbarrieren zwischen der Crew und der Zeitdruck taten ihre Arbeit. Die Feedbackschleifen schienen sich endlos zu ziehen. Der Operator im Service Center des System-Lieferanten verstand kaum, was der Mann an Bord der MS CRISCHA ihm mitteilen wollte. Er schloss die Augen, seufzte tief und wünschte sich, selbst an Bord zu sein. Oder noch besser, hier, im Fleet Operation Center bleiben zu können, und trotzdem das sehen zu können, was der Ingenieur an Bord sah. Er dachte an all die technischen Lösungen, die heute selbstverständlich sein sollten. Und er versuchte, nicht zu resignieren, als er nach gefühlt endloser Wartezeit zum dritten Mal ein unscharfes und wenig hilfreiches Bild eines Kabelstrangs und ein falsches Log-File per Email von Bord erhielt.

Tatsächlich gibt es heute kein Hindernis mehr, warum der Wunsch des Operators nicht bereits Realität sein sollte. Es ist keine Frage der technischen Möglichkeiten mehr, es ist eine Frage der Entscheidung, eine Frage der Abwägung von Kosten und Risiken. Es ist eine Entscheidung darüber, ob ein Problem an Bord in 30 Minuten oder in sechs Stunden gelöst werden soll. Und eine Entscheidung darüber, ob man seine Fachleute – mit allen damit verbundenen Risiken – tatsächlich in jedem Fall an Bord bringen will.

Die POINTR remote guidance kann die Situation im Falle eines Stillstands vor der Küste retten

Moderne digitale Lösungen wie die finnische POINTR Remote Guidance Software bietet maritimen Spezialisten alle Features, um komplizierte technische Herausforderungen auch remote bestehen zu können. POINTR ist eine auf Augmented Reality basierende Remote Guidance Lösung (Industrielle Videotelefonie), mittels deren Hilfe der remote arbeitende Spezialist den Techniker vor Ort detailliert anweisen und mit Informationen versorgen kann. Herkömmliche Smart Devices (d.h. Smartphone, Tablet) sind für die Kommunikation ausreichend. Mit der entsprechenden Hardware, wie Smart-Gläsern sind freie Hände des Technikers vor Ort zusätzlich garantiert.

Mit Hilfe einer solchen Remote Guidance Lösung in Form einer leicht zu installierenden Software, wie POINTR, kann der Fachexperten über Audio- und Videoübertragung das Geschehen an Bord in Echtzeit verfolgen. Augmented Reality Features bieten die Möglichkeit, zusätzliche computergestützte Inhalte einzublenden.

Es dauerte weitere fünf Stunden und sieben Minuten, bis das Herz der MS CRISCHA wieder zu schlagen begann. Die Vermutung des an Bord gebrachten Technikers bestätigte sich vor Ort. Er hatte einen fehlerhaften Ölstands-Sensor innerhalb von 25 Minuten identifizieren und mit zwei Handgriffen austauschen können. Der defekte Sensor entpuppte sich als billiges, markenfremdes Ersatzteil. Und alle wussten, die CRISCHA war nochmal davongekommen. Alle wussten auch, dieses Abenteuer, diese Risiken, und auch die damit verbundenen Kosten, hätte man sich mit der passenden digitalen Lösung ersparen können: Mit einer Entscheidung für eine Remote Guidance Lösung wie POINTR.

Wir sind jederzeit für Sie da, fordern Sie noch heute Ihre POINTR-Testlizenz an!